Das Projekt FLU-LED

(Kulturportal der Flur- und Hausnamen)

Projektinitiative

n den vergangenen Jahrzehnten steigt sowohl in Kärnten als auch in den benachbarten Regionen Sloweniens das Bewusstsein über die außerordentliche kulturelle Bedeutung der heimischen Flur- und Hausnamen. Ein Pionier auf dem Gebiet der systematischen Erhebung von Dialektnamen war der Köttmannsdorfer Jozi Pack, der in Zusammenarbeit mit dem Slowenischen Volkskundeinstitut Urban Jarnik (SVIUJ) eine erste Karte mit den traditionellen Flur- und Hausnamen erstellt hat. Seither beschäftigen sich immer mehr örtliche Kulturvereine in Zusammenarbeit mit den beiden zentralen Kulturorganisationen der Kärntner Slowenen - dem Christlichen Kulturverband und dem Slowenischen Kulturverband - sowie dem SVIUJ mit der Erhebung und der Dokumentation dieses lebendigen Kulturgutes. In der Grenzregion Gorenjska in Slowenien hat die Regionale Entwicklungsagentur RAGOR im Jahr2009 im Rahmen des Projektes Kako se pri vas reče? mit der Erhebung, Dokumentation und Veröffentlichung der alten Hausnamen begonnen.
Im Jahre 2010 sind die slowenischen Flur- und Hausnamen in Kärnten in das UNESCO-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich aufgenommen worden - in Slowenien wiederum, gibt es Aktivitäten zum Eintrag der Namen in das nationale Register des lebendigen Kulturerbes. Diese Entwicklungen gaben den Anlass für die Initiierung des grenzüberschreitenden Projektes FLU-LED, das sich mit der Erhebung, Dokumentation und Veröffentlichung von traditionellen Flur- und Hausnamen in sieben Gemeinden der Grenzregion beschäftigt. Projektteilnehmer sind der Slowenische Kulturverband als Leadpartner (http://www.slo.at/spz/index_de.php) sowie der Christliche Kulturverband (http://www.kkz.at/), die Entwicklungsagentur der Oberen Gorenjska RAGOR (http://www.ragor.si/)und das Museum Gornjesavski muzej Jesenice (http://www.gmj.si/) als Projektpartner. Das Projektgebiet umfasst die slowenischen Gemeinden Kranjska gora, Jesenice und Tržič sowie die Kärntner Gemeinden Feistritz im Rosental, St. Jakob im Rosental, Finkenstein und St. Margarethen im Rosental.
Das Projekt wurde von der Europäischen Union im Rahmen des Programmes für territoriale Zusammenarbeit INTERREG IV SI-AT 2007-2013 kofinanziert.

Projektziele

Das Hauptziel des Projektes FLU-LED ist der Schutz und die Erhaltung des Sprach- und Kulturerbes in den Grenzregionen Südkärntens (A) sowie in der angrenzenden Region Gorenjska (SI). Dazu ist es erforderlich, die alten, größtenteils nur noch im slowenischen Dialekt verwendeten, Haus- und Flurnamen zu erheben und zu dokumentieren, um sie so vor dem Vergessen zu bewahren. Ein weiteres Ziel des Projektes ist es, die gesammelten Namen einem möglichst großen Benutzerkreis zu Verfügung zu stellen: der interessierten Bevölkerung für die private Nutzung, den Kulturvereinen für ihre Kultur- und Bildungsarbeit, den Gemeinden für touristische und andere Zwecke sowie den wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen für die weitere interdisziplinäre Erforschung des erhobenen Namensgutes. Gemeinsames Anliegen der Projektpartner ist die Erhaltung der Flur- und Hausnamen als lebendiges Kulturerbe.

Projektergebnisse

Die im Projekt gemeinsam erarbeitete Methodik für die Erhebung von Haus- und Flurnamen steht in Form der Publikation »Metode zbiranja hišnih in ledinskih imen« (Klinar et al. 2012; link) zur Verfügung und beinhaltet fachliche Anleitungen für die Gelände- und Kabinettarbeit. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei der Art der Niederschrift der Namen gewidmet. Für diesen Zweck haben die Autoren sowohl für die Erfassung von Flur- und Hausnamen als auch für die Gelände- und Kabinettarbeit getrennte Tabellen vorbereitet. Als Ergänzung stellen die Projektpartner auch einen vereinfachten Leitfaden für die Datenerhebung, ein Erhebungsblatt sowie Manuskriptkarten für die Geländearbeit zur Verfügung (siehe Downloads). In die Erhebung der Namen sind sowohl die örtlichen Einwohner als Informanten oder Sammler vor Ort als auch Experten, die einen Teil der Kabinettarbeit, die inhaltliche Deutung und sprachwissenschaftliche Analysen beisteuern, eingebunden.
Gemeinsame Datenbank und Kulturportal
Alle gesammelten Namen mit den erhobenen Zusatzinformationen und eventuellen audio-visuellen Daten sind in einer gemeinsamen Datenbank gespeichert, die den Nutzern in Form des im Projekt erarbeitet Web-Portals zur Verfügung stehen. Die Lokalisierung der Namen erfolgt über verschiedene Kartenhintergründe. Interaktivität, das heißt die Möglichkeit des Herunterladens von Daten vom Portal und die umgekehrte Möglichkeit des Hochladens von Daten seitens berechtigter Nutzer, ist ein Hauptprinzip des Kulturportals. Damit soll garantiert werden, dass das Portal laufend komplettiert und erweitert wird - und das sowohl im inhaltlichen als auch im geografischen Sinn.

Touristische Karten

Die in der Datenbank gespeicherten Namen stehen für die weitere Bearbeitung und Verwendung zur Verfügung. Die Projektpartner haben mithilfe von Daten aus der Datenbank touristische Karten für alle Projektgemeinden gedruckt (siehe Downloadbereich). Da die Anforderungen und Voraussetzungen in den Gemeinden überaus verschieden sind, haben die Partner/Vereine ihre Karten sowohl inhaltlich als auch grafisch (Maßstab, Haus- und/oder Flurnamen, Texte, Bilder usw.) individuell gestaltet. Langfristiges Ziel des Projektes ist der Druck weiterer Karten bzw. die Entwicklung neuer Produkte und Anwendungen mithilfe der Datenbank.